
Die Couch der
Psychoanalyse
S. Freud - Museum
Berggasse 19
Wien
Nachdem der Klient zunächst sein Problem geschildert hat, wird gegebenenfalls, sofern der psychologische Hintergrund der Problematik nicht zwingend offensichtlich und grundsätzlich auch organischer Natur sein könnte, die Beratung mit der Nachfrage beginnen, ob bereits eine medizinische Untersuchung stattgefunden hat. Wo das nicht der Fall ist, wird eine solche medizinische Abklärung nahegelegt, da jede Psychotherapie bei einer Symptomatik von z.B. gesteigerter Reizbarkeit, Unruhe, Hyperaktiviät etc. aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion oder umgekehrt von Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Apathie etc. aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. Und in der Praxis kommen genau diese "Fehl-Psychotherapien" immer wieder vor.
Daher sind derartige, sozusagen "somatopsychische" Symptomatiken immer in Erwägung zu ziehen, wie das ja auch bei der entgegengesetzten, psychosomatischen Variante der Fall ist, bei der einer manifesten organischen Störung (z.B. einer Lähmung, eines Ticks usw.) psychische Ursachen zugrunde liegen. Aber auch hier wird oft die Verbindung erst, wenn nicht bereits die organische Diagnose negativ ausfällt, nach fehlgeschlagener medizinischer Therapie erkannt.
Der Klient wird darüber aufgeklärt, daß es keineswegs unerheblich ist, welches Therapieverfahren für sein Problem gewählt wird. Denn oft sucht der Klient nicht ein geeignetes Therapieverfahren, sondern einfach einen "guten" Therapeuten.
Es wird dagegen erläutert, daß für ein bestimmtes psychologisches Problem "einfach einen guten Therapeuten" zu suchen ebensowenig sinnvoll ist, wie bei einer konkreten organischen Störung einfach zu einem "guten Arzt" zu gehen. Auch psychologische Probleme können von ganz unterschiedlicher Natur sein und bedürfen dementsprechend einer spezifischen psychotherapeutischen Herangehensweise. Den guten Therapeuten gibt es nicht.
Als erstes wäre zu beurteilen, in welchem "Bereich" der Schwerpunkt der Problematik liegt, etwa im emotional-affektiven Bereich, im kognitiven oder im Verhaltensbereich.
In der Praxis sind natürlich immer alle Bereiche involviert, aber von einem Kernbereich "strahlt" gewissermaßen die Problematik meist aus.
Je nach dem stehen dann entsprechend schwerpunktorientierte Therapieverfahren zur Verfügung:
Für den emotional-affektiven Bereich bieten sich grob gesagt eher körperorientierte, für den kognitiven besser gesprächsorientierte, für den Verhaltensbereich verhaltenstherapeutische Verfahren an.
Letztlich wird als nicht zu unterschätzendes, weil effizientes Auswahlkriterium auch der Klient selbst nach seinen Wünschen befragt.
Denn neben dem selbstverständlichen Wunsch von seiner Problematik befreit zu werden hat der Klient oft auch eine Neigung oder Abneigung gegenüber bestimmten Therapierichtungen, sei es aufgrund "guter" oder "schlechter" Erfahrungen mit schon gemachten Therapien, sei es aufgrund persönlicher, "weltanschaulicher" Vorlieben.
Hier gibt es zur Zeit eine starke Tendenz zur "Ganzheitlichkeit" mit fließenden Übergängen zur "Spiritualität" aus wachsendem Überdruss an einer wissenschaftlich rationalen Dominanz der westlichen Kultur.
Es gilt in diesem Fall weder pauschalen Verherrlichungen noch Verdammungen das Wort zu reden, sondern durchaus das Heilungspotential bestimmter "nicht-wissenschaftlicher" Methoden anzuerkennen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der "Gefahren".
Bei Empfehlung einer geeigneten Therapieeinrichtung entscheidet die Art und die Schwere des Problems sowie die gesamte Lebenssituation des Klienten darüber, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung vorzuziehen ist, ob eine Tagesklinik oder "nur" eine Selbsthilfegruppe die sinnvollste Option darstellt.
Im Anschluss wird dem Klienten aufgezeigt, welche Therapieverfahren von den gesetzlichen und/oder privaten Kassen übernommen werden und welche er selbst bezahlen muss, sowie die nötigen Schritte bei der Beantragung einer Psychotherapie durch die Krankenkasse.
Bei der Vermittlung an einen Psychotherapeuten ist in erster Linie vom Therapeuten ausgeübte Therapiemethode von Bedeutung. Darüber hinaus ist zu beachten, ob der Klient eine Kassenkostenübernahme der Therapie in jedem Fall wünscht, ob er einen Therapeuten oder eine Therapeutin bevorzugt, ob das Alter des Therapeuten eine Rolle spielt oder welche Entfernung von seinem Wohnort zum Ort der Therapie nicht überschritten werden sollte.
